Deutschland,
mein Glück
„Heute, am Tag der Deutschen Einheit, denke ich zurück an meine eigene Geschichte – und zugleich nach vorn in die gemeinsame Zukunft dieses Landes.“
Herzlich willkommen zu meinem ersten Blogbeitrag auf dieser Seite.
Hier geht es um das Glück – und darum, was wir selbst daraus machen. Ich bin überzeugt: Es liegt an uns, ob das Glück eine Chance hat.
Für mich bedeutet Glück auch, in Deutschland aufgewachsen zu sein – obwohl mein eigener Start ins Leben alles andere als leicht war.

Foto: Auf dem Arm meine Mutter Sigrid. Im Hintergrund ein Portrait, das mein Vater Klaus von Ihr gemalt hatte.(privat)
Die verlorene Heimat und Neubeginn
Foto: Hochzeitsfoto meiner Oma Johanna Lange (geb. Pohl) und Erich Lange vor der Erbscholtisei meiner Urgrosseltern Lange (links vom Paar) und Gertrude und Erich Pohl (rechts vom Paar) in Gerstorf (Schlesien, heutiges Polen).
Die drei Brüder von Johnanna Lange in oberster Reihe. (Foto privat)
Schaue ich zurück, bleiben mir nur alt vergilbte und doch eindrucksvolle Fotos. Das ist mein Ursprung – eingefroren in Bildern.
Ein solches Foto zeigt meine Urgrossmütter und Urgrossväter Lange und Pohl, noch vereint vor der Erbscholtisei meiner Grosseltern Pohl. Eine Welt, die unwiderruflich verloren ging: Aus den Konsequenzen der NS-Diktatur und der Flucht vor der heranrückenden Roten Armee folgte der Verlust der schlesischen Heimat. Damals konnte sich niemand vorstellen, dass nicht nur Hab und Gut verloren gehen würden, sondern sehr bald auch das Leben der Söhne.
Und doch gab es nach schweren Erlebnissen auch wieder die Chance auf Neubeginn: Niedersachsen bot meiner Familie die Möglichkeit, wieder Heimat zu finden.
Dankbarkeit für Chancen
Für meine alleinerziehende Mutter war es eine schwere Bürde – und gleichzeitig strahlte sie eine Lebensfreude aus, wie ich sie selten bei einem Menschen gesehen habe. Sie hatte keinen Sinn mehr für die konventionelle Ehe, in die sie sich hätte fügen sollen. Doch als sie ein Arbeitsangebot aus der Schweiz erhielt, fehlte ihr der Mut, dem Rat ihres Vaters zu widersprechen: ‚Die Löcher in den Käse lass mal die Schweizer machen.‘“
Vielleicht ist es meine Kreativität – die Poesie, die Musik –, die mir mein Leben lang geholfen hat, Brücken zu bauen. Doch auch mein Erbe lebt in mir weiter – jene Stärke meiner Vorfahren, die gezwungen waren, neu anzufangen, während ich es heute aus freiem Willen kann.

Foto: Mit meiner ersten Gitarre – hier im Urlaub auf Korsika (Foto privat)
Deutschland hat mir unendlich viel ermöglicht – und doch ist es weitaus weniger, als junge Menschen heutzutage erwarten.
Heimat und Herausforderung
Nun bin ich 2023 meinem Herzen gefolgt – und lebe in der Schweiz.
Mit Dankbarkeit schaue ich am Tag der Deutschen Einheit auf mein Heimatland, das Deutschland für mich immer bleiben wird. Bildung, soziale Absicherung, das Recht, meine Stimme zu erheben – all das war und ist in dieser zunehmend polarisierenden Welt nicht selbstverständlich. Aber genau das hat mir Deutschland ermöglicht und geschenkt: mich als freie Frau entfalten und sicher bewegen zu können.
Gleichzeitig weiss ich: Deutschland hat Brüche. Rechtsruck, Ausgrenzung, das alte Gefälle zwischen Ost und West, zwischen Herkunft und Zukunft. Doch gerade in diesem Spannungsferld liegt auch die Kraft, weiterzudenken. Deutschland ist kein fertiges Land – es ist ein Land im Werden.
Was denkst Du?
- Was bedeutet dir Deutschland?
- Was verbindest du mit Heimat?
- Was tust du für unsere Zukunft?
Ich freue mich auf deinen Kommentar.
Ja, und es ist die beste Entscheidung in meinem Leben gewesen.
Love you ❤️
Liebe Stephanie
Herzlichen Dank für Deinen Kommentar. Freut mich, dass du meinen Beitrag als anregend empfindest. Ich lebe ja erst seit 2023 in der Schweiz und geniesse es sehr, dass ich die Eier und das Brot vom Bauern holen kann. Ob das insgesamt die Welt schont, sei dahin gestellt. Aber es hilft dem Hof und schmeckt auch besser.
Liebe Grüsse nach Allschwill.
Claudia
Liebe Claudia,
endlich bin ich dazu gekommen, deinen eindrücklichen Beitrag zu lesen! Danke für die vielen gedanklichen Anregungen. Beeindruckend in was für unterschiedlichen Zeiten wir gross geworden sind. Die damit vernundenen Probleme und Hoffnungen sind aber urmenschlich und fast zeitlos, scheint es mir manchmal.
Was tue ich für meine Heimat? Eine gute Frage. Ich reise fast ausschliesslich nur noch in der Schweiz (und in Deutschland:)), da mich der vielfältige Lebensraum Schweiz einfach glücklich macht und mich so reich beschenkt. Damit möchte ich unsere Lebensgrundlagen schonen. Und ich tue mein Mögliches für die heimische Wildflora, da sie rar geworden ist und so schützenswert.
..und ach ja, seit wir in Allschwil wohnen, sind wir von Bauernhöfen umgeben, die teils Hofläden betreiben. Nun holen wir unser Brot und auch andere Lebensmittel am liebsten dort. Man schmeckt seine Umgebung somit gleich mit und das tut gut!
Herzlich,
Stephanie
Gute Frage. Was tue ich für meine Heimat? Da muss ich mir erst mal Gedanken darüber machen.
Schön bist Du deinem Herzen gefolgt.
Love you ❤️