Sie ist anders

«Sie ist anders», singt Kai-I – und umarmt mit seinem Lied alles Menschliche und Individuelle.

Sänger Kai-I

Kai-I ist eine audiovisuelle Inszenierung, gestaltet aus Foto, Liedtext und Prompt – ein Werk von Mensch und Maschine.

Der Titel passt auf mehreren Ebenen. Auch diese Musik ist anders – anders komponiert, anders arrangiert. Nicht am Instrument, nicht mit der eigenen Stimme und auch nicht zusammen mit anderen Musiker:innen, sondern am Computer, grösstenteils sogar am Smartphone.

Besonders fasziniert hat mich, wie klar KI offenlegt, was nur Menschen können. Doch schau dir das Video erst einmal an. Am Ende interessiert mich sehr, was du darüber denkst.

KI-generiert

Mein Album «Zu Deinem Glück» entstand mit echten Musiker:innen als Auftragsproduktion. Nun beauftrage ich die KI, meine musikalischen Vorstellungen umzusetzen. Je genauer ich meine Idee beschreiben – sprich prompten – kann, desto besser wird das Ergebnis.

Musikalisch bewegt sich «Sie ist anders» zwischen modernem Pop und Schlager. Die Melodie bleibt bewusst schlicht und eingängig, was den Song für viele zugänglich macht. Sie verbindet treibende, leicht minimalistische Beats mit atmosphärischen Synthesizern und einer überraschend perfekten Stimme.

Um eine breitere Zielgruppe anzusprechen, habe ich Thema und Text von «Sie ist anders» sehr offen und assoziativ gestaltet. Der Song steht für alle, die als «anders» wahrgenommen werden – für Menschen, die nicht einer sogenannten Norm entsprechen, sich nicht anpassen wollen oder können, aber auch für jene, die ungewollt in diese Rolle gedrängt werden. Er soll dazu anregen, dass wir uns dem Andersein gegenüber öffnen – als Teil unserer menschlichen Vielfalt. 

Mit ein paar Klicks zum Mann

Kai-I, alle Protagonisten und Szenen im Video von «Sie ist anders» entstanden vollständig über meine Promts.
 Aus einem echten Porträtfoto erstellte ich mithilfe der KI die virtuelle Figur Kai-I – es bedufte mehrer Versuche, da für das spätere Video eine sehr gute Fotoauflösung und Gesichtserkennung vorliegen musste.

Originalfoto Claudia
Foto Eva Flury

Kai-I – erster Versuch
mit FaceLab

Originalfoto Claudia
Foto Eva Flury

Kai-I – zweiter Versuch
mit FaceLab optimiert mit Adobe Fyerfly

Video mit KI

Im Grunde konnte ich mit den KI-Tools ein ganzes Filmset ersetzen: Kamera, Licht, Sänger, Schaupielende, Maske, Regie – das was es braucht, eine klare sprachliche Differenzierung und Beschreibung und viel Geduld.

Ich musste mehrere Clips generieren, bis Bewegungen, Ausdruck und Stilrichtung halbwegs passten. Da ist noch Luft nach oben – die Performance ist nicht immer synchron, und der Sänger wirkt manchmal etwas zu brav. Ich bin sicher, man wird bald kaum mehr unterscheiden können, ob reale Menschen oder vollständig digital-generierte Figuren auf dem Bildschirm erscheinen. 

Schwächen wie Perfektion

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir Mensch und KI zumindest digital nicht mehr unterscheiden können. Die noch teilweise gekünstelte oder nicht ganz synchrone Performance meines Songs ist nur dem geschuldet, dass ich nicht noch mehr Stunden damit verbringen wollte.

Der Song enthält zwei textliche Ungenauigkeiten, verursacht durch einen Copy-&-Paste-Fehler, der sich im gelungenen KI-Erstentwurf derzeit nicht korrigieren lässt.

Die Stimme von Kai-I klingt wie eine perfekt gestützte, höhenreiche Pop-Stimme ohne Mikro-Schwankungen oder Atemtextur – im Gegensatz zur menschlichen Stimme, die lebendige Nuancen, Mikrovariationen und emotionale Tiefe einbringt.

Spannend wird mein nächstes Experiment mit einem Klon meiner eigenen Stimme – doch gerade dort endet für mich das Wunder des Musikmachens, denn nichts erfüllt mich mehr, als mich mit der eigenen Stimme auszudrücken.

Fazit

«Sie ist anders» ist kein Experiment um der Technik willen, sondern eine gemeinsame Kreation zwischen Mensch und künstlicher Intelligenz. Das sich eine Komposition mit einer Maschine von der mit einer Band unterscheidet, liegt auf der Hand – aber welche Erfahrungen man tatsächlich macht, auch musikalisch, hat mich überrascht. Wirklich kreativ mit KI zu arbeiten, verlangt digitale Expertise, Geduld und die Hartnäckigkeit eines Nerds.

Echte, handgemachte Musik hat naturgemäss eine andere Tiefe. Doch als Kreative und Produzentin bin ich baff erstaunt, wie weit diese Entwicklung bereits ist. 

In diesem Sinne sehe ich KI als Freundin, als Verbündete – als Werkzeug, das uns zurückführt zu dem, was wir wirklich lieben: kreative Gestaltung und Ausdruck.

Was denkst Du?

  • Wie wirkt der Song, die Stimme, das Video auf dich?

  • Welche Folgen, glaubst du, wird KI für Musiker:innen haben?

6 Kommentare

  1. Lieber Klaus,
    Ich werde es sicher auch über Social Media, Instagram, Facebook und YouTube anteasen bzw. hochladen. Aber Reichweite ist für mich aktuell noch nicht attraktiv, weil ich in einem kreativen Prozess bin.

    Herzliche Grüsse
    Claudia

  2. Das ist meines Erachtens gut gelungen. Ich finde die Mischung KI Mensch gut. Das wird alle Bereiche radikal veränderten, auch in Musik/ Entertainment. Vieles wird wegfallen, ab KI kann auch sehr kreativ eingesetzt werden und Neues entstehen lassen.

  3. Das Video ist sehr gut gelungen! Wie verbreitest du das denn?

  4. Danke Tom, die Liste ist unterwegs. Liebe Grüsse Claudia

  5. Hey Claudia, ist es ja super. Ich würde gerne die Liste haben wollen. Danke fürs zusenden. Grüße aus Hamburg

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert